Im Oktober letzten Jahres haben wir uns den lang ersehnten Wunsch von einem eigenen Team für die ambulante Palliativ-Pflege erfüllt. Mit Pamela Menzel und Anna Kastenmüller haben wir zwei speziell ausgebildete Kolleginnen gewonnen, die dieses Leistungsangebot mit Fingerspitzengefühl aufbauen.

Heute beantworten sie uns Fragen und erklären, was ihre tägliche Arbeit ausmacht und für ihre Patienten bedeutet. Den Auftakt in diesem Beitrag macht Pamela. Das Interview mit Anna können Sie hier lesen

INTERVIEW MIT PAMELA MENZEL – ALLGEMEINES AMBULANTES PALLIATIVTEAM, ALTENPFLEGERIN

Pamela Menzel

Liebe Pamela, vorab zwei allgemeine Fragen:

Kannst du uns den Unterschied zwischen SAPV, AAPV und dem normalen ambulanten Pflegedienst erklären?

Der Unterschied zur normalen ambulanten Pflege liegt vor allem in der zur Verfügung stehenden Zeit, die wir als Pflegekraft haben, um unsere Patienten zu versorgen. Je nach genehmigter Verordnung des Hausarztes über die palliative Symptomkontrolle haben wir bis zu drei Stunden je Patient am Tag Zeit. Ein Riesenvorteil, um mit Zeit und Ruhe für den Patient da zu sein.

In der SAPV werden hauptsächlich Palliativ-Patienten mit starken und schwer einstellbaren Symptomen medizinisch und behandlungspflegerisch von Palliativmedizinern und Palliativ-Fachkräften betreut.

Wir in der AAPV versorgen unsere Patienten nicht nur medizinisch in Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten bzw. Hausärzten, sondern leisten auch die tägliche grundpflegerische Versorgung, zu der das morgendliche Aufstehen, die Bad-Routine oder die Medikamentenvergabe zählen. Im Rahmen dieser täglichen vollumfänglichen Grundpflege können wir sehr schnell Veränderungen in der psychischen und auch physischen Verfassung feststellen und unsere Beobachtungen direkt weitergeben: an den behandelnden Facharzt, den Hausarzt oder die Angehörigen.

Der großzügige zeitliche Rahmen, der uns durch die Verordnung zur Verfügung steht, ermöglicht uns diese genaue Beobachtung und lässt auch genügend Platz für Gespräche und Fragen seitens des Patienten oder der Angehörigen

Für welche Patienten kommt die AAPV in Frage? Ab wann ist ein Patient ein Palliativ-Patient?

Wir kümmern uns um die Patienten, die keine Aussicht mehr auf Heilung ihrer Krankheit haben. Meist handelt es sich um Patienten, die nach einer Behandlung im Krankenhaus nach Hause entlassen werden, um dort ihren letzten Weg anzutreten. Diese Menschen haben oft eine Tumorerkrankung, aber natürlich auch multimorbide Menschen die am Lebensende stehen gehören zu unserem Klientel. Allen Menschen muss es möglich sein, eine ambulante palliativ Pflege zu bekommen, wenn sie auf ihrem letzten Weg Hilfe und Unterstützung brauchen.

Jetzt zu den drei Fragen an dich:
Wie bist du zur Allgemeinen ambulanten Palliativversorgung gekommen?

Ich habe erstmal eine ganz klassische Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht und war dann viele Jahre leitend in der stationären Altenpflege tätig mit dem Schwerpunkt auf Gerontopsychologie. Dieser Schwerpunkt hilft mir unwahrscheinlich in meinem jetzigen Berufsalltag.

In den vielen Berufsjahren habe ich gemerkt, dass ich meine Zeit und meine Energie gerne den Menschen schenken möchte, die in diesem letzten besonderen und schweren Lebensabschnitt Hilfe und Unterstützung brauchen.

Was sollte man mitbringen, wenn man sich für das Berufsbild interessiert?

Erstmal natürlich ein medizinisches Interesse. Um Palliativ-Pflegerin zu werden, muss man grundsätzlich eine examinierte Ausbildung im Bereich der Pflege durchlaufen haben. Wichtig ist eine psychisch hohe Belastbarkeit und vor allem viel Feingefühl im Umgang mit Patienten, aber auch mit den Angehörigen. Man muss offen für alle Situationen sein und immer ein offenes Ohr haben – auch um die leisen Zwischentöne wahrzunehmen.

Der medizinische Aspekt unserer Arbeit beinhaltet die Medikamenten-Vergabe, entsprechend der Verordnung. Zu unseren Aufgaben gehören auch das Legen subkutaner Infusionen und das Spritzen von Morphinen.

Um sich auf die Allgemeine ambulante Palliativversorgung zu spezialisieren, absolviert man eine Fortbildung für Palliativ-Pflege und Schmerzmanagement.

Welche schöne Erfahrungen oder besondere Momente hast du in deiner Arbeit erlebt?

Ich durfte in den letzten Jahren schon viele Menschen auf dem letzten Weg begleiten. Manchmal war ich mit ihnen alleine, oftmals war ich mit Angehörigen beim Patienten.

Wenn ich einen Patienten bis zum Tod mit Angehörigen zusammen begleiten darf, ist das jedes Mal ein ganz besonderer Moment für mich. Oft spürt man dieser friedvollen und ruhigen Atmosphäre das Leben und die Energie des Patienten. Über den Raum, über das Haus legt sich in diesen Stunden eine würdevolle Stille, die meist von einer großen Dankbarkeit der anwesenden Angehörigen geprägt ist. Wenn ich diese friedliche Ruhe und Dankbarkeit fühle, weiß ich, wofür ich meine Arbeit jeden Tag mache.

Eine schöne Erfahrung ist auch die Vertrautheit, die durch die täglichen Besuche entsteht. Sie gibt Raum für schwere, nachdenkliche und heikle Themen, aber natürlich auch für humorvolle Gespräche. Dieses vertrauensvolle Verhältnis ist für die Angehörigen sehr wichtig. Sie möchten wissen, dass der Patient in guten Händen ist und dass auch sie einen Ansprechpartner für spezielle oder allgemeine Fragen haben.

Vielen Dank, Pamela!