Jahresrückblick 2025 mit Günter und Maximilian Wagner

Maximilian und Günter Wagner im Porträt

Auch in diesem Jahr blickt unser Führungsduo Günter und Maximilian Wagner zurück die letzten zwölf Monate. Vater und Sohn ziehen für das Geschäftsjahr eine durchweg positive Bilanz und berichten: Was lief stark? Was hat überrascht? Und wohin bewegt sich die Pflegezentrale 2026?

 

Lieber Günter, lieber Maximilian, wie würdet ihr das Jahr 2025 in wenigen Worten beschreiben?

Maximilian Wagner: Alles entwickelt sich in die richtige Richtung, wir wachsen mit Bedacht, aber stetig.

Günter Wagner: Alles, was wir in den beiden Vorjahren geplant haben, ist aufgegangen. Wir haben Umsatz, Gewinn und Kund*innenzahlen gesteigert und stehen heute sehr stabil da. Besonders in der ambulanten Pflege verzeichnen wir fünf bis sechs Prozent Zuwachs. Diese Entwicklung fußt auf unseren jährlichen Strategietreffen. Wir planen klare Ziele – Mitarbeiterzahlen, Umsatzziele, Qualitätsvorgaben – und wir setzen sie um. Unser Wachstum passiert nicht zufällig, sondern weil alle gemeinsam darauf hinarbeiten.

Was lief in diesem Jahr besonders erfolgreich?

Günter Wagner: Vieles. Wir hatten eine hervorragende MD-Prüfung (Medizinischer Dienst) mit der Note 1,0. Eine externe Bewertung, die uns sehr stolz macht. Ebenso erfreut haben uns die Ergebnisse unserer internen Befragung zur Zufriedenheit von Patient*innen und Mitarbeiter*innen. Unsere Patient*innenzufriedenheit ist enorm hoch – rund zwei Drittel haben an der Befragung teilgenommen, fast alle namentlich, obwohl sie anonym möglich gewesen wäre. Auch die Mitarbeiterinnenzufriedenheit lag sehr hoch. Für diese tollen Ergebnisse möchten wir unserem Team von Herzen danken. Denn ohne sie wäre das alles nicht möglich.

Maximilian Wagner: Wir haben in diesem Jahr viele neue Kolleg*innen gewonnen – einige durch persönliche Empfehlungen. Eine Mitarbeiterin hat allein vier neue Kolleginnen zu uns gebracht. Das zeigt, dass wir weiterhin als guter Arbeitgeber angesehen werden.

In diesem Jahr hat die Pflegezentrale auch wieder verstärkt international rekrutiert. Wie lief das?

Maximilian Wagner: Sehr gut. Wir strecken unsere Fühler inzwischen weltweit aus – nach Marokko, Kenia, Albanien. Viele Bewerber*innen sind hervorragend ausgebildet und sprechen sehr gut Deutsch. Wir überlegen derzeit Programme, die ihnen das Ankommen erleichtern: Wohnungssuche, Anerkennung der Ausbildung, Führerscheinformalitäten. Gleichzeitig erleben wir massive Hürden durch das Ausländeramt in Bad Tölz. Dort fehlt oft die Bereitschaft, pragmatische Lösungen zu finden, obgleich man sich große Gedanken macht, wie man dem steigenden Pflegebedarf in Zukunft gerecht werden soll. Da steht sich die Behörde leider selbst im Weg.

Gab es etwas, das dieses Jahr besonders geprägt hat?

Günter Wagner: Ja – ein Anruf vom Ausländeramt. Einer ukrainischen Mitarbeiterin fehlte ein Stempel im Pass – deswegen sollte sie auf der Stelle den Dienst am Patienten quittieren. Grund war, dass wir sie bei uns angemeldet hatten, bevor sie einen Wohnsitz gemeldet hatte. Die Rigorosität des Amtes war ein Schock. Uns wurde klar: Während immer mehr Pflegekräfte fehlen, werden Menschen, die motiviert sind und hier arbeiten möchten, ausgebremst. Das fördert den Schwarzmarkt – und macht unsere Arbeit unnötig schwer.

Was hat euch 2025 überrascht?

Maximilian Wagner: Positiv überrascht hat mich, dass Pflegekräfte inzwischen deutlich mehr verdienen. Eine Pflegefachkraft kommt heute auf Gehälter, die früher undenkbar gewesen wären.

Günter Wagner: Und zum ersten Mal sind mehr Fachkräfte vom Krankenhaus in die ambulante Pflege gewechselt als umgekehrt. Sie wollen wieder sehen, was ihre Arbeit bewirkt, und über längere Zeiträume Menschen begleiten, statt im Klinikbetrieb unter enormem Druck zu stehen.

Wie beurteilen Sie politische und gesellschaftliche Trends?

Maximilian Wagner: Der Trend, dass Pflegekräfte mehr verdienen, ist gut und längst überfällig. Gleichzeitig steigen dadurch aber auch die Pflegekosten, die am Ende die Patient*innen bezahlen. Problematisch finden wir den Pflegeausbildungsfonds: In welcher Branche zahlt der Kunde die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte?

Günter Wagner: Was uns aber wirklich Sorgen macht, ist die politische Entwicklung. Eine AfD-Regierung wäre fatal für die Pflege. Durch Remigration würden wir über die Hälfte unserer Mitarbeitenden verlieren. Dies betrifft übrigens die gesamte Pflege in Deutschland. Auch ein EU-Austritt wäre für die Wirtschaft und vor allem für die Pflege eine Katastrophe, denn dieser würde eine generelle Verarmung der Bevölkerung bedeuten. Ich befürchte, dass sich viele der sogenannten „Prostestwähler“ dieser Konsequenzen nicht bewusst sind.

Kurzzeitpflege und Mehrstundenpflege: Wie entwickeln sich die Angebote neben der klassischen Ambulanten Pflege?

Maximilian Wagner: Unsere Kurzzeitpflege – zuhause hat sich zu einem echt starken Angebot entwickelt. Viele wissen nicht, dass sie Kurzzeitpflege auch in den eigenen vier Wänden nutzen können – und sind total erleichtert, wenn sie erfahren, dass das bei uns möglich ist. Die Nachfrage ist groß, weil klassische Kurzzeitpflegeplätze rar sind.

Günter Wagner: Die Mehrstundenpflege wird gut nachgefragt. Aber der Preis bleibt für viele Familien eine Hürde. Die Konkurrenz durch die 24-Stunden-Pflege im Graumarkt ist groß. Dort werden häufig keine Sozialabgaben bezahlt und kaum rechtliche Vorgaben eingehalten – damit können wir als regulärer Arbeitgeber nicht konkurrieren. Unsere Mitarbeitenden zahlen Steuern, haben Verträge, sind versichert. Das ist der richtige Weg – aber eben teurer.

Zum Abschluss: Welche Entwicklungen haben die Arbeit der Pflegezentrale besonders beeinflusst?

Maximilian Wagner: Ein großes Thema war die TI-Anbindung (Telematik Infrastruktur), die wir bei uns eingeführt haben. Sie ist seit Anfang 2024 Pflicht, aber viele Praxen und Dienste sind noch nicht so weit. Wir sind vorbereitet, doch nutzen können wir das System kaum, weil andere noch nicht angeschlossen sind. Das Ziel der TI-Anbindung ist die digitale Vernetzung von Pflegediensten, Ärztinnen, Apotheken und Kliniken – derzeit aber noch weit weg von der Praxis.

Günter Wagner: Eine weitere spannende Entwicklung ist der zunehmende Einsatz von KI bei uns in der Pflege, etwa bei der Tourenplanung. Die KI soll bei der Tourenplanung von unseren Mitarbeiterinnen lernen und eines Tages eine echte Unterstützung bieten.