„Eine Mischung aus Organisation, Verantwortung und ganz viel Menschlichkeit“

Dajana ist Teamleitung im Bereich Mehrstundenpflege sowie stellvertretende Pflegedienstleitung bei der Pflegezentrale Wagner in Geretsried. In ihrem Bereich geht es darum, Menschen so zu unterstützen, dass sie trotz Pflegebedarf in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können – mit Mehrstundenpflege und Kurzzeitpflege daheim. Gleichzeitig ist sie Mutter von zwei Kindern und schätzt an der Pflegezentrale, dass Familie und Beruf hier tatsächlich zusammenpassen.
Im Interview spricht sie darüber, was ihren Arbeitsalltag ausmacht, warum Kurzzeitpflege daheim oft der erste Schritt zur langfristigen Pflege zu Hause ist – und wieso sie die Pflege trotz aller Herausforderungen jedem empfehlen würde, der eine sinnvolle Aufgabe sucht.
„Mein Arbeitsbereich ist eine Mischung aus Organisation, Verantwortung und ganz viel Menschlichkeit.“
Dajana, du bist Teamleitung Mehrstundenpflege und stellvertretende Pflegedienstleitung. Wie würdest du deine Aufgabe in eigenen Worten beschreiben?
Dajana: Die Mehrstundenpflege ist angelehnt an die 24‑Stunden‑Pflege, die viele kennen – aber mein Aufgabenbereich ist komplexer, als man auf den ersten Blick denkt. Es ist nicht nur die Begleitung unserer Patientinnen und Patienten im Alltag. Es fängt schon bei der Aufnahme an: Wir besuchen die Menschen zu Hause und schauen, ob eine Versorgung in den eigenen vier Wänden überhaupt möglich ist.
Dann suche ich passende Pflegekräfte, arbeite sie ein und bereite sie auf die neue Stelle vor. Ich schaue, ob Hilfsmittel fehlen, die wir benötigen, und stimme mich mit Ärzt:innen, Angehörigen und den zu Pflegenden selbst ab. Dazu kommen Schulungen für die Mitarbeitenden, zum Beispiel zu bestimmten Krankheitsbildern – entweder direkt vor Ort oder bei uns im Büro, wo wir eine Pflegepuppe und ein Pflegebett haben, an denen wir Situationen „trocken“ üben können.
Am Ende ist mein Job eine Mischung aus Organisation, Verantwortung und ganz viel Menschlichkeit. Und das ist genau das, was ich daran liebe.
„Ich wollte nie raus aus der Pflege – aber Familie und Beruf sollten zusammenpassen.“
Wie bist du ursprünglich in die Pflege gekommen – und was hält dich bis heute dabei?
Dajana: Ich bin gelernte Altenpflegerin. Angefangen hat alles mit einem Schulpraktikum. Das hat mich so begeistert, dass ich danach ein freiwilliges soziales Jahr gemacht habe. Relativ schnell war klar: Das ist genau mein Ding.
Ich habe viele Jahre stationär in München gearbeitet. Auch heute noch pflege ich ab und zu selbst – zwar weniger als früher, aber wenn ich es tue, dann mit ganzem Herzen. Für mich ist es immer noch etwas Besonderes, wenn ich jemanden so versorgen kann, dass er oder sie sich wirklich wohlfühlt. Ich sage immer: Wenn ich mal aufhöre zu weinen, wenn jemand verstirbt, dann kündige ich. Dann wäre es für mich nicht mehr der richtige Beruf.
Wie bist du dann zur Pflegezentrale und in die Mehrstundenpflege gekommen?
Dajana: Tatsächlich hat das viel mit meiner Familie zu tun. Ich habe zwei Kinder und konnte diesen klassischen Schichtdienst irgendwann nicht mehr mit unserem Familienalltag vereinbaren. Gleichzeitig wollte ich nie aus der Pflege raus.
Bei der Pflegezentrale habe ich einen Arbeitgeber gefunden, bei dem ich beides vereinen kann: meinen Beruf und meine Familie. Ich kann meinen Tag so strukturieren, wie ich ihn brauche. Was Organisation, Planung und Termine angeht, habe ich volle Freiheit – und das ist gerade in der Pflege etwas, das man wirklich nicht überall findet.
Das Schöne ist: Ich kann mich hier verwirklichen, auch wenn ich nicht mehr die ganze Zeit direkt am Bett pflege. Und genau das macht die Pflegezentrale für mich zu einem wahnsinnig guten Arbeitgeber.
Du betreust auch die Kurzzeitpflege daheim. Was versteht ihr bei der Pflegezentrale darunter – und hat sich das Konzept in den letzten Jahren verändert?
Dajana: Die Kurzzeitpflege daheim hat sich bei uns im Kern nicht verändert – und das ist gut so, denn das Konzept wird sehr gut angenommen.
Kurzzeitpflege daheim bedeutet für uns: Wir unterstützen Menschen zeitlich begrenzt in ihrem Zuhause, zum Beispiel, wenn Angehörige Urlaub brauchen, nach einem längeren Krankenhausaufenthalt oder wenn es zu Hause eine Übergangsphase zu organisieren gibt.
Warum ist es für viele Menschen so wichtig, dass Kurzzeitpflege und Mehrstundenpflege zu Hause stattfinden?
Dajana: Für die meisten steht an erster Stelle: „Ich möchte zu Hause bleiben. Ich möchte in meiner gewohnten Umgebung sein. Und wenn es so weit ist, möchte ich auch zu Hause sterben.“
Genau das versuchen wir möglich zu machen. Unser Sinn und Zweck ist, dass Menschen nicht nur deshalb in ein Heim ziehen müssen, weil sie pflegebedürftiger werden. Wir haben tatsächlich schon viele Menschen bis zum Schluss zu Hause begleiten dürfen. Das ist für uns alle sehr berührend – und gleichzeitig das, was unsere Arbeit so sinnstiftend macht.
„Wir schauen immer individuell: Was ist zu Hause wirklich machbar?“
Wenn Angehörige sich für Kurzzeitpflege daheim interessieren – wie viel Vorlauf braucht ihr und wie geht ihr dann vor?
Dajana: Einen festen Zeitraum kann man kaum nennen, weil jede Situation anders ist. Wir schauen immer individuell: Ist die Versorgung zu Hause machbar? Wie sind die Wohnverhältnisse? Wie ist der Gesundheitszustand?
Dafür fahren wir entweder nach Hause zu den Menschen oder auch in die Klinik, wenn sie dort noch liegen, und machen uns vor Ort ein Bild. Es gehört auch dazu, ehrlich zu sagen, wenn eine Versorgung zu Hause nicht möglich oder nicht sinnvoll ist – zum Beispiel, wenn wirklich 24 Stunden rund um die Uhr, inklusive Nacht, jemand da sein muss. Dann kann eine stationäre Lösung die bessere Option sein.
Bei geplanten Dingen wie Urlaubszeiten lässt sich Kurzzeitpflege daheim sehr gut vorbereiten. Bei akuten Geschichten versuchen wir, so schnell wie möglich zu unterstützen. Aber auch da gibt es in der Regel keinen „Überraschungs-Entlassungstag“, sondern man weiß, wann jemand nach Hause kommt – und darauf bereiten wir uns vor.
Können Angehörige vorab etwas vorbereiten, damit Kurzzeitpflege daheim gut starten kann?
Dajana: Eigentlich gar nicht so viel – und das ist uns wichtig. Wir möchten entlasten, nicht zusätzlich belasten.
Hilfreich ist es, wenn ein Zimmer zur Verfügung steht, in das sich die Pflegekraft zurückziehen kann. Alles Weitere klären wir beim Vor‑Ort‑Termin. Hilfsmittel zum Beispiel organisieren wir sehr häufig gemeinsam. Wir haben viele Möglichkeiten, da zu unterstützen. Unser Ziel ist immer: Es soll sich für die Familien nach Entlastung anfühlen – nicht nach zusätzlicher Arbeit.
„Wir sind wie eine Familie – man ist nie allein mit Entscheidungen“
Du beschreibst euer Team als sehr eng. Was macht die Zusammenarbeit bei der Pflegezentrale für dich aus?
Dajana: Für mich ist das Team hier wie eine Familie. Ich habe noch nie gehört: „Ich habe keine Zeit“ oder „Lass mich in Ruhe“. Eher im Gegenteil: „Komm her, setz dich hin.“
Wir dürfen diskutieren, wir dürfen auch mal laut sein – und am Ende drücken wir uns und gehen wieder auseinander. Niemand trägt dem anderen etwas lange nach. Wir besprechen auch die vermeintlich banalen Dinge im Alltag, brainstormen zusammen und suchen Lösungen – nicht nur für die Mehrstundenpflege, sondern bereichsübergreifend.
Sehr wichtig ist auch die Geschäftsführung. Maxi und Günther geben uns sehr viel Vertrauen und Freiraum. Entscheidungen, die wir treffen, werden nicht ständig hinterfragt. Sie wissen: Wir handeln nach bestem Wissen und Gewissen. Und wenn doch mal etwas schiefgeht, ist das kein Drama. Man ist mit Entscheidungen nie allein – man kann sie allein treffen, muss es aber nicht. Das ist ein wahnsinnig schönes Gefühl, in so ein Team zur Arbeit zu kommen.
„Kein Tag ist wie der andere – und das ist auch gut so“
Wie sieht ein typischer Arbeitstag in der Mehrstundenpflege bei dir aus – und wie passt das zu deinem Familienleben?
Dajana: Es gibt schon Dinge, die fest im Kalender stehen: Dienstplanung, der Beginn neuer Versorgungen, Pflegevisiten. Diese Termine sind wichtig und geben Struktur.
Aber die Tage laufen selten so, wie sie geplant sind – und das mag ich. Ich bin zwar ein Mensch, der Struktur schätzt, aber es darf auch mal stressig sein. Wenn es irgendwo „brennt“, also wenn eine Versorgung gerade nicht rund läuft oder eine Situation schwierig ist, dann lasse ich auch mal alles stehen und liegen und fahre hin. Es muss dabei nicht immer etwas Dramatisches sein – aber für die Mitarbeitenden und die Patientinnen und Patienten ist es unglaublich wichtig zu wissen: „Da ist jemand, die kümmert sich jetzt.“
Das Gute ist: Ich habe viel Spielraum, Termine zu verschieben und meinen Tag anzupassen. Und ich bin damit nicht allein – das ganze Team unterstützt, wir stecken oft die Köpfe zusammen und überlegen gemeinsam, wie wir ein Problem lösen.
Für mein Familienleben ist das Gold wert. Ich kann meinen Tag so legen, wie wir es brauchen. Meine Kinder kennen hier alle; sie sind immer willkommen, wenn ich sie einmal mitbringen muss. Ich kriege Job und Familie super unter einen Hut – und genau das war mir wichtig.
„Traurig – und trotzdem etwas Erfüllendes“
Ihr begleitet Menschen auch in sehr schweren Situationen, bis hin zur Sterbebegleitung zu Hause. Wie gehst du damit um – und welche Unterstützung gibt es im Team?
Dajana: Sterben gehört zur Pflege dazu. Ich glaube, das wissen alle, die in diesem Beruf arbeiten. Umso wichtiger ist es, dass man darüber spricht.
Wir nehmen uns im Team bewusst Zeit für Gespräche, wir tauschen uns aus und unterstützen uns gegenseitig. Niemand muss solche Erlebnisse allein verarbeiten. Jeder Mensch geht damit anders um, aber für mich ist klar: Wenn ich irgendwann nichts mehr dabei fühle, dann ist es der falsche Beruf. Ich trauere um jeden Menschen. Ich weine mit den Angehörigen, mit den Pflegekräften. Man muss dafür keine großen Worte finden – oft reicht es, einfach da zu sein.
Wenn wir es gemeinsam mit den Angehörigen möglich gemacht haben, dass jemand nach eigenem Wunsch zu Hause sterben konnte, dann ist das – bei aller Traurigkeit – etwas sehr Erfüllendes. Der Wunsch wurde respektiert, der Mensch konnte in seiner vertrauten Umgebung in Ruhe einschlafen. Genau das versuche ich in meiner Arbeit jeden Tag mit zu ermöglichen.
„Anspruchsvoll, aber unglaublich sinnstiftend“
Pflege hat als Beruf nicht den einfachsten Ruf. Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, in die Pflege – oder konkret zur Pflegezentrale – zu kommen?
Dajana: Natürlich ist Pflege anspruchsvoll. Aber sie ist auch unglaublich erfüllend. Bei uns in der Pflegezentrale legen wir viel Wert auf Teamarbeit, Unterstützung und klare Strukturen – auch wenn mein eigener Alltag manchmal alles andere als „Schema F“ ist. Man ist hier nie allein, sondern wirklich Teil eines Teams.
Was viele vergessen: Pflege ist nicht nur „am Bett stehen“. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich zu entwickeln – fachlich und organisatorisch. Man muss nicht zwangsläufig dauerhaft in der direkten Pflege arbeiten, um Menschen zu versorgen. Mein eigener Weg zeigt das ganz gut: Ich bin immer noch in der Pflege, aber heute in einer stark koordinierenden Rolle.
Und ich bin überzeugt: Es gibt wenige Berufe, in denen man so viel Sinn erlebt wie in der Pflege. Wenn man gern mit Menschen arbeitet, Verantwortung übernehmen möchte und nach einem Beruf mit echter Bedeutung sucht, dann ist Pflege definitiv eine gute Entscheidung.
„Pflegeentscheidungen nicht erst treffen, wenn es brennt“
Was möchtest du Menschen mitgeben, die gerade für sich oder Angehörige eine Pflegeentscheidung treffen müssen – etwa, ob Kurzzeitpflege daheim oder Mehrstundenpflege im Raum Bad Tölz-Wolfratshausen passend wäre?
Dajana: Mein wichtigster Rat ist: Frühzeitig informieren und beraten lassen. Nicht erst dann, wenn gar nichts anderes mehr geht.
Am besten redet man in ruhigen Momenten darüber, wie man sich die eigene Pflege vorstellt: Möchte ich zu Hause bleiben? Kann ich mir ein Heim vorstellen? Was ist mir wichtig? Das können ganz normale Gespräche am Küchentisch bei einer Tasse Kaffee sein. Wie in jeder guten Beziehung ist Kommunikation das A und O.
Entscheidungen muss niemand alleine treffen. Gerade bei uns in der Pflegezentrale beraten wir Familien zu den verschiedenen Möglichkeiten – von Kurzzeitpflege daheim über Mehrstundenpflege bis hin zu anderen ambulanten Angeboten. Wichtig ist, am Ende eine Lösung zu finden, die wirklich zum Alltag und zu den Bedürfnissen des Menschen passt.
Dajana zeigt in ihrem Alltag, wie moderne ambulante Pflege im bayerischen Oberland aussehen kann: professionell organisiert, menschlich, im engen Schulterschluss mit Angehörigen – und mit einem Arbeitgeber, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ernst nimmt.
Ob als Sprungbrett nach einem Krankenhausaufenthalt oder zur Entlastung im Pflegealltag: Kurzzeitpflege daheim und Mehrstundenpflege ermöglichen vielen Menschen in und um Geretsried, zu Hause zu bleiben. Und für Fachkräfte wie Dajana ist die Pflegezentrale ein Ort, an dem Teamgeist, Vertrauen und Entwicklungsmöglichkeiten mehr sind als nur Worte.
