Vorurteile, Körperpflege und persönliche Wünsche im Pflegealltag

Männer in der Pflege: Was wirklich zählt

Männer in der Pflege - unser Kollege Dragen Bosnja

Eine neue Pflegekraft klingelt. Die Tür geht auf – und für einen kurzen Moment ist die Überraschung zu sehen: Heute kommt ein Mann.

Gerade bei der Körperpflege kann das Fragen oder Unsicherheit auslösen. Schließlich geht Pflege weit über praktische Hilfe hinaus. Sie findet manchmal dort statt, wo Menschen besonders verletzlich sind und wo persönliche Grenzen eine große Rolle spielen.

Solche Unsicherheiten dürfen angesprochen werden.

Ob eine Pflegekraft aufmerksam zuhört, gesundheitliche Veränderungen erkennt, verständlich erklärt und fachlich sicher handelt, hängt jedoch nicht davon ab, ob sie ein Mann oder eine Frau ist.

Trotzdem begegnen Männern in der Pflege noch immer Vorurteile.

Kurz erklärt

  • Männer und Frauen übernehmen in der professionellen Pflege grundsätzlich dieselben Aufgaben. Entscheidend sind Ausbildung, Erfahrung und die konkrete Pflegesituation.
  • Bei körpernaher Pflege dürfen persönliche Wünsche jederzeit angesprochen werden. Ob sich ein bestimmter Wunsch erfüllen lässt, hängt auch von der jeweiligen Personalsituation ab.
  • Der Männeranteil in der Pflegeausbildung steigt: 2025 waren 29 Prozent der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zur Pflegefachperson männlich.

Pflege ist längst kein reiner Frauenberuf

Pflege galt lange als typische Frauenarbeit. Dieses Bild wirkt bis heute nach – in der Sprache, in Berufsbildern und oft schon bei der Berufsorientierung.

Jungen werden technische oder handwerkliche Berufe häufig ganz selbstverständlich als mögliche Zukunft gezeigt. Pflege gehört noch immer deutlich seltener dazu.

Dabei verändert sich das Bild langsam. Während 2020 rund 24 Prozent der neuen Ausbildungsverträge zur Pflegefachperson auf Männer entfielen, waren es 2025 bereits 29 Prozent.

Auch bei der Pflegezentrale Wagner arbeiten Männer in der Pflege.

Einer von ihnen ist unser Kollege Dragan. Er wollte schon als Kind Pfleger werden. Heute sind ihm vor allem der Kontakt zu seinen Patientinnen und Patienten und das Gefühl wichtig, mit seiner Arbeit etwas Sinnvolles zu tun.

Seine Berufswahl bringt er mit einem einfachen Satz auf den Punkt:

„Als Pflegekraft weißt du, dass du gebraucht wirst!“

Vorurteil 1: „Männer sind weniger einfühlsam“

Einfühlungsvermögen wird noch immer häufig Frauen zugeschrieben. Männer werden dagegen eher mit Sachlichkeit, Technik oder körperlicher Stärke verbunden. Solche Eigenschaften lassen sich im Pflegealltag allerdings nicht sinnvoll nach Männern und Frauen aufteilen.

Einfühlungsvermögen zeigt sich dort oft ganz unspektakulär: Eine Pflegekraft merkt, dass jemand heute stiller ist als sonst. Sie sieht die Unsicherheit beim Aufstehen, erklärt einen Handgriff ein zweites Mal oder erkennt, dass gerade Zuhören wichtiger ist als der nächste Punkt im geplanten Ablauf.

Dafür braucht es vor allem: Aufmerksamkeit, Erfahrung und Interesse am Menschen gegenüber.

Vorurteil 2: „Männer sind hauptsächlich fürs Heben da“

Natürlich kann körperliche Kraft in manchen Pflegesituationen hilfreich sein. Doch wer Pflege auf Heben, Tragen und Umlagern reduziert, lässt einen großen Teil des Berufs außenvor.

Pflegekräfte beobachten gesundheitliche Veränderungen, übernehmen Behandlungspflege, dokumentieren, beraten, sprechen mit Angehörigen und stimmen sich mit ärztlichem und therapeutischem Fachpersonal ab.

Vor allem aber arbeiten sie mit Menschen.

Wird ein männlicher Kollege automatisch bei jeder körperlich anstrengenden Aufgabe gerufen, wird er schnell auf seine Muskelkraft reduziert. Umgekehrt entsteht der Eindruck, Gespräche und emotionale Begleitung seien eher Sache der Kolleginnen. Beides entspricht nicht dem Pflegealltag.

Bei der Aufgabenverteilung sollten Qualifikation, Erfahrung, die konkrete Pflegesituation und eine faire Zusammenarbeit im Team zählen.

Was ist, wenn ich bei der Körperpflege lieber eine Frau möchte?

Wer sich bei der Körperpflege mit einer Frau wohler fühlt, darf das sagen.

Körperpflege berührt die Intimsphäre. Scham, persönliche Erfahrungen, Religion, Kultur oder ganz individuelle Grenzen können beeinflussen, womit sich ein Mensch wohlfühlt.

Manche Frauen möchten lieber von einer Frau gepflegt werden. Manche Männer fühlen sich mit einem männlichen Pfleger wohler. Anderen ist das Geschlecht ihrer Pflegekraft nicht wichtig.

Wichtig ist, solche Wünsche aussprechen zu können.

Bei der Pflegezentrale Wagner möchten wir nicht, dass sich jemand in einer intimen Pflegesituation übergangen fühlt. Deshalb hören wir zu, wenn Patientinnen und Patienten Bedenken oder persönliche Wünsche äußern, und besprechen, was in der konkreten Situation organisatorisch möglich ist.

Ein persönlicher Wunsch ist dabei etwas anderes als die pauschale Annahme, ein Mann könne bestimmte Pflegeaufgaben weniger gut übernehmen.

Manchmal verändert sich eine anfängliche Unsicherheit schon nach dem ersten persönlichen Kontakt. Eine ruhige Vorstellung, klare Erklärungen und ein respektvoller Umgang können viel dazu beitragen, Vertrauen aufzubauen.

Was gute Pflege für uns ausmacht

Ob Mann oder Frau: Professionelle Pflege zeigt sich nicht am Geschlecht einer Pflegekraft.

Sie zeigt sich zum Beispiel darin, dass jemand aufmerksam beobachtet, Veränderungen wahrnimmt und fachlich richtig darauf reagiert. Dass Medikamente zuverlässig vorbereitet und verabreicht, Vitalwerte kontrolliert oder Wunden fachgerecht versorgt werden.

Aber ebenso darin, wie eine Pflegekraft mit einem Menschen spricht.

Erklärt sie, was sie gerade tut? Nimmt sie Unsicherheit wahr? Gibt sie jemandem einen Moment mehr Zeit? Hört sie zu, wenn eine Sorge gerade wichtiger ist als der geplante Ablauf?

Für uns gehören fachliche Sicherheit und menschlicher Umgang zusammen.

Gemischte Pflegeteams schaffen mehr Möglichkeiten

Ein gemischtes Team bedeutet nicht, dass Männer bestimmte Dinge besser können und Frauen andere.

Jede Pflegekraft bringt eine eigene Persönlichkeit, Berufserfahrung und Arbeitsweise mit.

Unterschiedliche Menschen im Team schaffen aber mehr Möglichkeiten – zum Beispiel dann, wenn Patientinnen und Patienten bei körpernaher Pflege einen persönlichen Wunsch haben.

Und auch für den Nachwuchs macht Vielfalt einen Unterschied.

Ein Schüler, der einem engagierten Pfleger begegnet und erlebt, wie selbstverständlich ein Mann in diesem Beruf arbeitet, sieht Pflege möglicherweise plötzlich als Beruf, der auch für ihn infrage kommt.

Männliche Pflegekräfte müssen dabei weder als Besonderheit behandelt noch ständig zu Vertretern „der Männer in der Pflege“ gemacht werden.

Sie sind Pflegekräfte. Mit derselben fachlichen Verantwortung wie ihre Kolleginnen.

Persönliche Wünsche bei der Pflege? Sprechen Sie mit uns.

Ihnen oder Ihrem Angehörigen ist bei der Pflege etwas unangenehm? Sie wünschen sich bei körpernahen Tätigkeiten möglichst eine weibliche oder männliche Pflegekraft? Sprechen Sie uns darauf an.

Wir sagen Ihnen offen, was wir organisatorisch ermöglichen können, und suchen nach einer Lösung, mit der Sie sich gut versorgt fühlen.

Sprechen Sie uns an.

Wir hören zu und besprechen mit Ihnen, welche Lösung zu Ihrer Situation passt und organisatorisch möglich ist.

Häufige Fragen zu Männern in der Pflege

Ja. Die fachlichen Anforderungen und Ausbildungsinhalte richten sich nicht nach dem Geschlecht. Welche Aufgaben eine Pflegekraft übernimmt, hängt von ihrer Qualifikation, Erfahrung und der jeweiligen Pflegesituation ab.

Ja, Sie können einen solchen Wunsch jederzeit ansprechen. Gerade bei körpernaher Pflege nehmen wir Scham und persönliche Grenzen ernst. Wir besprechen mit Ihnen, was Ihnen Sicherheit gibt und was sich organisatorisch umsetzen lässt.

Sprechen Sie die Pflegekraft oder unsere Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner direkt an. Sie müssen eine unangenehme Situation nicht einfach hinnehmen. Häufig lässt sich im Gespräch klären, was Sie stört und was wir an der Versorgung verändern können.

Nein. Körperliche Unterstützung ist nur ein Teil des Berufs. Pflegekräfte beobachten gesundheitliche Veränderungen, übernehmen Behandlungspflege, dokumentieren, beraten und begleiten Patientinnen, Patienten und Angehörige.

Unterstützung durch die Pflegezentrale Wagner

Unsere ambulanten Pflegekräfte sind in Geretsried, Wolfratshausen, Königsdorf, Münsing, Eurasburg und Dietramszell unterwegs.

Unsere Mehrstundenpflege bieten wir in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, München und Starnberg sowie in weiteren Gebieten auf Anfrage an. Unsere betreute Pflege-Wohngemeinschaft befindet sich in Dietramszell.

Sie suchen Unterstützung für sich oder einen Angehörigen?

Melden Sie sich bei uns. Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen und besprechen persönlich, welche Unterstützung zu Ihrer Situation passt.

Portrait Maximilian Wagner

Maximilian Wagner

Prokurist

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Letzte Aktualisierung: 01.09.2026